| Thomas Gerlach (Altenburger Land) |
|
|
|
|
Thomas Gerlach (*18.01.1979) aus Meuselwitz bei Altenburg gehört zu den bekanntesten und aktivsten Neonazis in Thüringen. Er ist führender Aktivist in der Freien Kameradschaftsszene und in mehreren extrem rechten Gruppen und Netzwerken aktiv. Er ist darüber hinaus auch bundesweit in Naziorganisationen eingebunden und pflegt Kontakte zu Rechtsextremisten in mehreren europäischen Ländern. Im Internet tritt er seit Jahren unter dem Pseudonym "Ace" in zahlreichen Onlineforen wie dem "Freien Widerstand" und dem "Mitteldeutschen Gesprächskreis" auf.
Mehrjährige Haftstrafe und Gründung einer Neonazi-Knastvernetzung Bundesweit bekannt wurde Gerlach, der aus der rechten Fussball- und Hooliganszene stammt, erstmals im Mai 2002, als er während seiner Haftzeit in der JVA Hohenleuben eine Gefängnis-interne Vernetzung organisierte. Er war zuvor zu dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung verurteilt worden, weil er zusammen mit anderen Neonais unter anderem einen linksorientierten Jugendclub überfallen hatte. Zusammen mit dem zur gleichen Zeit in der JVA Gräfentonna einsitzenden Suhler Rechtsextremisten Marco Zint gründete er den sogenannten "Kameradschaftsbund für Thüringer POWs". POW steht dabei für "Prisoner of War" - auf deutsch: KriegsgefangenEr - wie inhaftierte GesinnungsgenossInnen in der Neonaziszene häufig bezeichnet werden. Die Organisation machte es sich zur Aufgabe, die Bildung eines informellen Gefangenennetzwerkes zu unterstützen, Kontakte zwischen GesinnungsgenossInnen in verschiedenen Haftanstalten herzustellen, über Rechtsangelegenheiten zu informieren und Verhaltenshinweise im Umgang mit Behörden zu vermitteln. Dabei sollte in erster Linie auch das eigene Informationsblatt "Im Geiste frei" zur „Verständigung unter den inhaftierten Thüringer KameradInnen" beitragen. [1] Im April 2003 wurde der Name in "PVD (POW) – Projekt für Thüringer PVD" umgeändert, jedoch erlahmten bereits im folgenden Jahr die Aktivitäten gänzlich. Nach seiner Haftentlassung 2004 gründete er in Altenburg eine extrem rechte Gruppierung, der er den unscheinbar anmutenden Namen Bürgerinititiative "Schöner Wohnen Altenburger Land" gab. Nach dem Vorbild der norddeutschen Neonazi-Vereinigungen "Schöner Wohnen" in Wolgast, Ueckermünde und Anklam wollte er damit eine breitere Öffentlichkeit erreichen. Die etwa 20 Mitglieder der Gruppierung sind identisch mit denen der Organisation "Nationale Sozialisten Ostthüringen/Westsachsen" bzw. "Nationale Sozialisten Altenburger Land". Sie traten erstmals Anfang 2005 bei den so genannten "Montagsdemonstrationen" in Altenburg auf. Dabei gelang es ihnen zum Teil, sich an die Spitze der Demonstrationszüge gegen Sozialabbau zu setzen und eigene Kundgebungen abzuhalten [5]. Wenige Monate später meldete er zum 60. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 2005 im westsächsischen Delitzsch eine Demonstration unter dem Motto "Gegen Kriegstreiberei und Fremdverwaltung unterdrückter Völker" an, bei der auch der Hamburger Neonazi Christian Worch vor etwa 270 TeilnehmerInnen als Redner auftrat. [6] Als im Juni 2005 das europaweite Neonazi-Treffen "Fest der Völker" in Jena verboten wurde, meldete Gerlach im Namen einer "Initiative - Meinungsfreiheit auch für Deutsche" ein so genanntes "Fest der Völkerverständigung" in Altenburg an, welches vermutlich als Ausweichmöglichkeit für das ursprünglich am 11. Juni 2005 stattfindende Neonazi-Festival dienen sollte. Am 17. August 2005 folgte die nächste Anmeldung einer Demonstration, diesmal unter dem Motto "Meinungsfreiheit schützen - Gegen Polizeiwillkür". Damit sollte einerseits an einen Altenburger Neonazi erinnert werden, der im Vorjahr beim Kleben von Plakaten des Hitlerstellvertreters Rudolf Heß durch einen Polizisten verletzt worden war. Andererseits wurde die Veranstaltung wegen ihrer zeitlichen Nähe zum verbotenen Rudolf-Heß-Gedenkmarsch am 20. August 2005 dazu genutzt, Rudolf Heß zu "ehren" und gegen den "Volksverhetzungsparagraphen" (§ 130) zu demonstrieren. Neben Gerlach selbst traten auch Christian Worch, Axel Reitz, Michael Burkert und der Leipziger Neonazi Stefan Wagner als Redner auf. [7] Ebenfalls im August 2005 tauchten im Altenburger Raum Exemplare der verbotenen "Schulhof CD" auf, an deren Verteilung Gerlach vermutlich beteiligt war. Weiterhin gehört er zu den VerteilerInnen der extrem rechten Schülerzeitung "invers", die ebenfalls im August von dem sächsischen Neonazi–Kader Karsten Scholz produziert wurde. [8] Gerlach leistet in seiner Region innerhalb extrem rechter Strukturen Aufbauarbeit und unterstützt dabei auch die NPD, so zum Beispiel mit Infoständen während der Thüringer NPD-Mitgliederkampagne im Sommer 2007. [12] In einer Auswertung zur Kampagne lobt er die Aufhebung einer Trennlinie zwischen "radikalen und parteifreien Kräften" und "parteipolitischen Kräften im Sinne der heimatlichen Region". [13] Zugleich betont er immer wieder, dass er ein "freier Aktivist" sei und nicht selbst Mitglied bei den "Nationaldemokraten", seine Unterstützung gelte dabei der NPD auf Kreis und Landesebene, nicht jedoch der Bundes-NPD. [14] Dennoch verfügt er über zahlreiche Kontakte zu Funktionären jener Partei und läd öffentlich in Foren und auf seiner Webseite zu regionalen NPD-Treffen ein. [15] Während eines von ihm organisierten NPD-Infostandes am 13. Juni 2007 in Meuselwitz beschlagnahmte die Polizei rund 100 Neuproduktionen einer so genannten "Schulhof-CD". Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelt seit dem wegen Volksverhetzung gegen ihn, weil ein darauf veröffentlichtes Lied den Holocaust leugnet. [16] Im Altenburger Land unterhält er auch gute Kontakte zu extrem rechten Hatecore-Bands wie "Eternal Bleeding", "Mosphit", "Abolition" und "Brainwash" sowie zur Nazifrauen-Gruppe "Mädelring Thüringen", dessen Kaderinnen ebenfalls in der Region ansässig sind. Sein Hauptaugenmerk liegt bei den sogenannten "Freien Kräften". Zusammen mit den führenden Neonazis Mike Scheffler aus Delitzsch und Tony Gentsch aus Hof gründete er eine länderübergreifende Vernetzung von extremen Rechten aus Ostthüringen, Westsachsen, Süd-Sachsen-Anhalt und Nordbayern. Das Projekt mit dem Namen "Freies Netz" (FN) ging nach langer Ankündigung am 5. Juni 2007 mit einer eigenen Internetplattform online. [17] Neben sieben weiteren Städten gibt es dort auch einen Webblog für Altenburg, der von Gerlach verwaltet und mehrfach wöchentlich aktualisiert wird. Interhalb der Vernetzung wirkt er unterstützend auf strukturschwache Regionen und meldete beispielsweise für den 22. September 2007 eine Demonstration in Zwickau an. [18] Das "Freie Netz" hat ein Mobilisierungspotential von 100 bis 150 Personen, auf welches auch Gerlach mehrfach zurückgriff. So zum Beispiel bei Demonstrationen am 22. Juli 2007 in Leipzig [19] und am 17. August 2007 in Altenburg [20], welche beide FN-intern mobilisiert wurden. Der Leipzig-Demo ging ein Führungsstreit mit Folgen voraus. Am Vortag, dem 21. Juli, rief der Hamburger Neonazi Christian Worch zum 17. mal zu einem Aufmarsch in Leipzig auf, welcher jedoch auf Grund Worchs Anmeldeautomatismus von den FN-Führungskadern Thomas Gerlach und Mike Scheffler intern boykottiert wurde. Worchs Demonstration folgten nur 36 AnhängerInnen [21] und auf dem extrem rechten Internetportal "Altermedia" entfachte sich im Anschluss eine mehrwöchige Debatte, bei der Gerlach als Spalter, Boykotteuer und Verräter denunziert wurde. [22] Christian Worch meldete alle bis 2014 in Leipzig angemeldeten Demonstrationen ab, veröffentlichte Emails von Gerlach und kündigte an, nicht mehr mit ihm kommunzieren zu wollen. Später hob er die Einschränkung auf, wenn er bei zukünftigten Gesprächen mit ihm ein Tonbandgerät einschalten dürfte. [23] Statt in Leipzig verbrachten Gerlach und 120 weitere Neonazis den Samstag auf der Burg Saaleck um den Mördern von Walther Rathenau zugedenken. [24] In den letzten Jahren ist Gerlach auch in der bundesweiten Neonazi-Szene aufgestiegen. So ist er unter anderem maßgeblich beim so genannten "Freundeskreis Halbe" (FKH) aktiv, organisierte auf dem NPD-Open Air "Rock für Deutschland" am 09. Juli 2005 in Gera einen FKH-Infostand und vertritt inzwischen längst nicht mehr nur die Thüringer Sektion. Des Weiteren ist er beim "Kampfbund deutscher Sozialisten" (KDS) führend tätig. Das von ihm für die örtliche Neonazi-Kameradschaft betriebene Postfach dient seit geraumer Zeit auch als Anschrift für die KDS-Bundesgeschäftsstelle und Organisationsleitung. Das Amt wurde ihm am 4. Februar 2006 beim "traditionellen KDS-Gautreffen" in Leverkusen-Bergisch Neukirchen auf Wunsch seines Vorgängers Thomas Brehl übertragen. [25] Bereits im April 2007 gab Gerlach den Posten
an Udo Sieghart, einen NPD-Funktionär aus Oberfranken, ab. Dieser
wiederum wurde im November 2007 durch Tony Gentsch abgelöst. Der aus
Sachsen stammende und nun in Oberfranken aktive Gentsch ist ehemaliges
Mitglied der Nazi-Band "Braune Brüder" und pflegt gute Kontakte nach
Sachsen und Thüringen, unter anderem zu Gerlach. [26] Quellen: [1] http://www.tlfv.de/vsberichte/2003/vsbericht2003.pdf dies-und-das-vom-8-mai-080505_2597.html uns-kds-mitteldeutschland-demonstriert-in-leipzig-091206_7996.html#more-7996 demonstration-in-leipzig-220707_10493.html ihr-angerichtet-habt-antifa-und-stadt-jubeln-240707_10519.html worch-macht-schluss-mit-leipzig-230707_10512.html#comment-128511 [27] http://www.aktionsbuero.org/seite/?ID=189&seite=meldungen |
| < Zurück | Weiter > |
|---|



