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Frank Schwerdt (Berlin/Jena) PDF Drucken E-Mail

 

Frank Schwerdt (*1944) aus Berlin war vor über 40 Jahren bereits Mitglied in der NPD, danach bei der CDU, den Republikanern und dem neonazistischen Verein "Die Nationalen e.V.". Letztendlich führte es ihn zu seinem Ursprung zurück und er trat 1997 wieder in die NPD ein. Er stieg rasch zum Bundesgeschäftsführer auf und wurde 2001 auch Landesvorsitzender von Thüringen. Schwerdt saß bereits wegen diverser Verurteilungen im Gefängnis und unterstützt bis heute zahlreiche neonazistische Gruppierungen und Publikationen.


Von NPD über CDU, Reps, "Den Nationalen" zurück zur NPD

Der 1944 geborene Frank Schwerdt begann seine politische Karriere in den 1960er Jahren bei der NPD. 40 Jahre später sollte er zum Bundesgeschäftsführer der rechtsextremen Partei sowie zum Landesvorsitzenden der NPD Thüringen aufgestiegen sein. Der Weg dahin verlief jedoch nicht geradlinig. Kurze Zeit nach seinem Beitritt zur NPD verließ er diese und wechselte zur CDU über, deren Ortsverband Berlin-Heiligensee er elf Jahre lang leitete. 1989 trat Schwerdt den Republikanern bei und engagierte sich in deren Landesvorstand. Nachdem die Partei nach seiner Ansicht zu verfassungstreu war, verließ er diese und trat der Deutschen Liga für Volk und Heimat (DLVH) bei. [1] Als Vorsitzender des Landesverbandes Berlin/Brandenburg war er maßgeblich am Aufbau des "Hoffmann-von-Fallersleben-Bildungswerkes" beteiligt. 1993 wurde Schwerdt Vorsitzender des Vereins "Die Nationalen e.V.". Der 1991 in Berlin gegründete Verein hatte sich unter Beteiligung verschiedener Gruppen und Parteien des rechten Spektrums zum Ziel gesetzt, die zersplitterte Szene zusammenzuführen. Nachdem Schwerdt die Organisation deutlich neonazistisch ausrichtete und gemäßigte Mitglieder diese verließen, entwickelte sie sich zur wichtigsten Vernetzungs- und Sammlungsbewegung der ostdeutschen Neonaziszene. [2]

Unter Schwerdts Leitung wurde von Den Nationalen die "Berlin-Brandenburger Zeitung. Zeitung der nationalen Erneuerung" (BBZ) herausgegeben, welche "normalen" BürgerInnen rechtsextreme Botschaften vermitteln sollte. Gemeinsam mit ihren sechs Tochterzeitungen hatte das professionell aufgemachte Medium nach eigenen Angaben eine bundesweite Auflage von 50.000 Stück. Zeitweise war auch die "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG) im Internet über die Domain der "Berlin-Brandenburger Zeitung" vertreten. [3]

Im November 1997 löste Schwerdt “Die Nationalen e.V." auf, nachdem es vermehrt Anzeichen für ein bevorstehendes Verbot der Organisation gab. Laut offizieller Begründung waren „die Aufgaben der Nationalen e.V. […] weitestgehend erfüllt". [4] Von den Mitgliedern, die in 30 Kameradschaften in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, sowie der Jugendorganisation "Jungnationale" organisiert waren, lief ein Großteil zur NPD über. [5] Schwerdt selbst war bereits seit einigen Monaten wieder Mitglied in dieser Partei. Im Januar 1998 wurde er zur Belohnung in den Bundesvorstand aufgenommen und konnte als Bundesgeschäftsführer tätig werden. [6] Auch nach der Auflösung der Nationalen waren deren Strukturen weiter vorhanden und wurden genutzt. Organ war ein Koordinierungsrat, in dem Schwerdt mit den Anführern der angegliederten Kameradschaften das Vorgehen beschloss. Auch die BBZ wurde weiter herausgegeben. Redakteur der Zeitung war unter anderen der enge Freund und Adlatus von Schwerdt, der Neonazi Hans-Christian Wendt. Der FAP-Funktionär und spätere Schriftleiter der "Nachrichten" der "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG) gründete Anfang 1998 eine "Arbeitsgemeinschaft nationaler Sozialisten innerhalb und außerhalb der NPD" (AGNS), „ [...] durch die Neonazis die Möglichkeit eröffnet werden sollte, sich ohne förmliche Parteimitgliedschaft in der NPD zu engagieren" und „ [...] die NPD weltanschaulich auf den richtigen Kurs bringen". [7] 1999 tauchte er als "Chef vom Dienst" und V.i.S.d.P. der NPD-Zeitung "Deutsche Stimme" auf, für die auch Schwerdt viele Beiträge verfasste.

Gemeinsam versuchten Wendt und Schwerdt zusammen mit Freien Kameradschaften in Brandenburg städtische Jugendzentren zu besetzen und in "nationale Jugendclubs" umzuwandeln, so beispielsweise in Neuruppin und in Guben. In der letztgenannten Stadt, wo zunächst Wendt bis zu seiner Verhaftung 1996 agierte, organisierte Schwerdt im März 1998 zusammen mit den "Jungnationalen" des Ortes einen Lieder- und Kameradschaftsabend, bei dem Schwerdt als Redner und ein "junger Berliner Liedermacher Alexander" vor rund 80 TeilnehmerInnen auftrat. Gleichzeitig versuchte er in Neuruppin die seit Anfang der neunziger Jahre existierende, aber bis etwa 1997 eher unorganisierte, starke rechtsextreme Jugendszene fester an die Strukturen der NPD anzubinden. Mit Hilfe des örtlichen Neonazikaders Thomas Pennicke sollte der Jugendclub "Bunker" in einen "nationalen Jugendclub" umgewandelt werden. [8]

In Rathenow meldete Schwerdt am 6. Mai 1998 eine Gegenkundgebung zu einer am 9. Mai 1998 in Premnitz stattfindenden antifaschistischen Gedenkdemonstration an. Er benannte Hans-Christian Wendt als Redner und den in Rathenow geborenen Karsten Giese, den ehemaligen Schatzmeister der "Nationalen", als Versammlungsleiter. Dieser war inzwischen zum Vorsitzenden der "Kameradschaft Oberhavel" avanciert und hatte Schwerdt bei der Selbstauflösung der "Nationalen e.V." als Liquidator beigestanden. Das Polizeipräsidium Oranienburg verbot am 8. Mai 1998 in einer politisch fatalen Gleichstellung sowohl die antifaschistische als auch die rechtsextreme Veranstaltung. Das Verwaltungsgericht Potsdam bestätigte das Verbot am Tag darauf. Ungeachtet dessen reisten RechtsextremistInnen mit mehreren Kleinbussen an, übernachteten in einer nahe gelegenen Jugendherberge und konnten sich trotz des bestehenden Versammlungsverbotes am 9. Mai in Premnitz treffen. [9] Am 15. August 1997 wurde die "Kameradschaft Oberhavel" durch den brandenburgischen Innenminister Alwin Ziel verboten, wobei nicht Giese, sondern Schwerdt als Chef der Kameradschaft genannt wurde. [10]

Haftstrafen wegen neonazistischer Delikte
Mitte des Jahres 1998 wurde Schwerdt wegen Volksverhetzung, Herstellung und Verbreitung von NS-Propagandamaterial sowie Verwendung von Kennzeichen verbotener Organisationen gemeinsam mit Christian Wendt und Lutz Giesen zu einer neunmonatigen Haftstrafe verurteilt - nachdem bei ihm mehrere Ausgaben des Organs eines internen Zirkels der "Nationalen" mit dem Namen "Völkischer Freundeskreis", die sogenannten "NS-Schulungsbriefe", in denen die Shoa geleugnet wird, gefunden wurden. [11] Aufgrund seiner Haftstrafe in der JVA Tegel konnte Schwerdt seine Aufgaben als von der NPD ernannter "Verantwortlicher für Presse- und Propaganda" für den Bundestagswahlkampf nicht wahrnehmen und nur aus dem Knast heraus agieren.

Am 30. Oktober 1998 verurteilte das Berliner Landgericht Schwerdt wegen Gewaltverherrlichung zu einer sechsmonatigen Haftstrafe im offenen Vollzug der JVA Plötzensee. Bei einer Durchsuchung seiner Wohn- und Geschäftsräume beschlagnahmten PolizeibeamtInnen 2.500 Exemplare der CD "Unsere Einigkeit macht uns zur Macht" der Thüringer Gruppe “Volksverhetzer“. [12] Die fünfköpfige Band aus Sonneberg hatte ihre Debüt-CD 1997 bei Schwerdts Label und Verlag "Vortrag-Buch-Reise" (VBR) nach Vermittlung des Thüringer Heimatschutz veröffentlicht. [13] Darauf wird im Lied "Blutrausch" Gewalt gegen Punks und Richter verherrlicht:

"Du hast [so ein buntes Schwein] vor Dir liegen, hilflos und am Boden.
Da nimmst Du noch mal Anlauf und springst ihm in die Hoden." Und:
"Mitten im Gefecht hörst Du auf zu denken.
Du willst ihn nur noch töten.
Keiner kann Dich lenken."

Schwerdt distanzierte sich während des Prozesses nicht vom Inhalt der CD. Sein Verteidiger, der NPD-Vorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Hans-Günther Eisenecker, forderte einen Freispruch. Schließlich sei „ [...] der Titel ‚Blutrausch' nicht gefühllos" - der Skin lasse "ja gerade seine Gefühle raus". [14]
Nach seiner Haftentlassung koordinierte Schwerdt 1999 als Bundesgeschäftsführer der NPD die Beschaffung von Wahlkampfmaterial der Thüringer Partei für den bevorstehenden Landtagswahlkampf. [15] Am 07. August des Jahres kam er in die thüringische Stadt Bad Berka und hielt auf einem Trauermarsch für den aus Unterfranken stammenden Nazi-Skin Andreas Otto eine Rede. Der 24jährige wurde am 31. Juli im Verlaufe eines Handgemenges von einem Bad Berkaer Hausbesitzer erstochen, als dieser den Neonazi zur Rede stellte, nachdem er an das Haus des Bürgers gepinkelt hatte und seine Kameraden ihre leeren Bierdosen in die nahe gelegene Ilm schmissen. Schwerdt erklärte vor den 500 Neonazis, viele kamen vom Thüringer und Fränkischen Heimatschutz, Schuld am Tod Ottos sei nicht nur der Täter, sondern auch jene, die "Menschen mit nationaler Gesinnung für vogelfrei erklärten". Damit seien die "höheren Ränge des Staats", aber auch die Medien gemeint. [16]
Ende der 1990er Jahre entdeckte Schwerdt das Internet für seine Zwecke. Er meldete beispielsweise unter der Firmenadresse des Verlags "Vortrag-Buch-Reise" bei der deutschen Internet-Registrierungsstelle die Website für das neue Szene-Pamphlet "NN-Aktuell" aus dem NPD-Verlag "Deutsche Stimme" an, für dessen Inhalt und Gestaltung Christian Wendt Verantwortung trug. [17] Auch mit dem Internet-Auftritt der NPD wurde der VBR-Geschäftsführer von der NPD beauftragt. Zunächst meldete er diesen als Domaininhaber bei dem Internet Service Provider 1&1-Puretec an, dem wohl größten Anbieter neuer Internet-Adressen in Deutschland. Im August 2000 kündigte der Internet-Provider nach Protesten der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten" (VVN-BdA) den Hostingvertrag für die Domain "npd.de". [18] Sowohl diese Domain als auch die nicht von der Kündigung betroffene Website "npd-aktuell" wechselten daraufhin die BetreiberIn. Mittlerweile werden die Seiten ganz in Eigenregie der Partei und unter dem Namen von Schwerdt geführt. [19] Puretec kündigte auch das Vertragsverhältnis mit der rechtsextremen HNG, die daraufhin mit ihrer de.-Domain zu der Regensburger Firma Netbeat wechselte. Als verantwortliche Person für die Internetpräsenz tritt wiederum Schwerdt auf. [20]

2001: Wahl zum Thüringer NPD-Landesvorsitzenden
Am 21. April 2001 wurde Schwerdt auf dem Landesparteitag der Thüringer NPD in Saalfeld zum neuen Landesvorsitzenden der Partei gewählt. [21] Drei Wochen später trat er vor 220 Neonazis als Redner auf der vom NPD-Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt-Sonneberg organisierten Kundgebung "Nicht Rache, nur Gerechtigkeit für Sandro Weilkes" zu Ehren des zum Märtyrer hochstilisierten Neonazis in Sonneberg auf. [22] Am 8. September 2001 wurde Schwerdt auf dem Landesparteitag in Eisenach zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl im nächsten Jahr gewählt. Er sprach sich für eine verstärkte Zusammenarbeit der NPD mit den Freien Kameradschaften aus: Die „in Thüringen gut funktionierende Arbeit mit parteiunabhängigen Kräften im Land [solle] weitergeführt und ausgebaut werden". [23]
Nach den Terroranschlägen vom 11. September verfasste die Thüringer NPD gemeinsam mit den Freien Kameradschaften im Bundesland die Erklärung "Den Völkern Freiheit - Den Globalisten ihr globales Vietnam", worin es heißt: „Der Luftschlag vom 11. September 2001 ist die Markierung der Globalisten als Aggressoren durch die geschundenen und abgeweideten Völker.". Schwerdt verlas das Pamphlet auf einer Demonstration am 03. Oktober in Berlin. [24] Antiamerikanismus verbreitete Schwerdt auch als Redner auf der Kundgebung des Thüringer Landesverbandes der NPD am 10. November 2001 in Gera unter dem Motto: "Frieden für Deutschland! Stoppt die Kriegstreiber!".
Gleichzeitig blieb Schwerdt in Berlin und Brandenburg aktiv: so gründete sich 2001 mit seiner Unterstützung die Kameradschaft "Märkischer Heimatschutz" (MHS), welche die rechtsextreme Szene und deren Aktivisten in den Kreisen Barnim, Märkisch-Oderland, Uckermark und Oberhavel koordinieren soll. [25] Zu Beginn des Jahres 2002 wurde in Angermünde und Schwedt eine so genannte "Anti-Antifa"-Broschüre mit detaillierten Steckbriefen von Personen, die gegen Neonazis Stellung bezogen, verteilt. Presserechtlich verantwortlich war Frank Schwerdt, als Bestelladresse wurde die "Anti-Antifa Berlin" angegeben. [26]

Schwerdt unter V-Mensch-Verdacht
In dieser Zeit geriet Schwerdt bei seinen eigenen KameradInnen in Verdacht, als V-Mensch des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz zu arbeiten. Wenige Monate zuvor war sein Landespartei-Vize, der Anführer des militanten Thüringer Heimatschutzes Tino Brandt, enttarnt worden. Angeblich hatte der "Kölner Stadt-Anzeiger" Schwerdt als V-Mensch enttarnt [27], auch der Berliner "Tagesspiegel" berichtete dies. Er wies dies jedoch zurück und der Verdacht konnte im weiteren Verlauf der Untersuchungen nicht erhärtet werden. Allerdings kursierten in Publikationen und Internet-Foren der rechtsextremen Szene, unter anderem thematisiert vom Hamburger Neonazi Christian Worch, aufgrund seiner freundschaftlichen Kontakte zu Brandt weiterhin Mutmaßungen. In einem Rundbrief vom 19.11.2002 warf Worch Schwerdt neben dem Umgang der NPD mit der V-Mensch-Affäre auch dessen ehemalige Mitgliedschaft bei den FreimaurerInnen und seine angebliche Homosexualität vor, um ihn zu diskreditieren, was zu längeren Debatten innerhalb der Freien Kameradschaftsszene führte. Aufgrund von wiederholten Aufforderungen zu rechtlichen Schritten und Unterlassungsklagen gegen die Urheber der Meldungen kündigte Schwerdt in einem offenen Brief am 16. März 2002 an, den Rechtsweg beschreiten zu wollen. [28]
Gleichzeitig wurde er auf dem Bundesparteitag der NPD abermals zum Bundesgeschäftsführer gewählt und am 6. April 2002 als Landesvorsitzender der Thüringer NPD bestätigt. [29]

Weitere Aktivitäten Schwerdts
Neben anderen Veranstaltungen meldete Schwerdt 2002 am 9. November eine Demonstration unter dem Motto "Deutschlands Selbstbestimmung endlich vollenden" in Weimar an. Er begrüßte die "Befreiung von der Vorherrschaft der Russen" und forderte die "Befreiung von der Vorherrschaft der anderen Besatzungsmächte". [30]
Am 1. Mai 2003 organisierte der MHS mit Schwerdt als Anmelder in Berlin einen Aufmarsch von 2000 Neonazis, darunter auch ein italienischer und ein spanischer Block und, wie er selbst in seiner Eröffnungsrede vor dem ehemaligen "Reichssportfeld" betonte, einige "volksdeutsche" Gäste aus dem Elsass. [31] Am 21. Juni 2003 trat Schwerdt dann als einziger Redner bei dem von der NPD angemeldeten ersten Rechtsrock-Open-Air "Rock gegen Krieg" in Gera auf. Er bezeichnete die USA als den größten "Kriegstreiber" in der Welt, dem es darauf ankomme, Massenvernichtungswaffen einzusetzen. [32] Auf der Veranstaltung trat Schwerdt ebenfalls in den folgenden Jahren einschließlich 2006 als Redner auf. Anfang Oktober 2003 wurde er auf dem NPD-Bundesparteitag in Saarbrücken unter dem Motto "Europäische Freiheit statt US-Imperialismus" auf Listenplatz 13 für die Wahl zum Europäischen Parlament gewählt. [33]
Im Februar 2004 stellte der NPD-Bundesgeschäftsführer eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen 24 Bochumer Richter wegen angeblicher Verletzung des Neutralitätsgebots - die Richter forderten ein Verbot einer für den 13. März geplanten Demonstrationsveranstaltung der NPD gegen den Bau einer Synagoge in Bochum. Schwerdt verlangte die Suspendierung der Richter bzw. ersatzweise die Kürzung ihrer Bezüge. Die Richter hatten zuvor den Polizeipräsidenten von Bochum aufgefordert, die Demonstration zu verbieten, da deren Ziele nicht mit dem Grundgesetz vereinbar seien, insbesondere nicht mit der grundrechtlich garantierten freien Religionsausübung. [34]
Auf dem sogenannten "Thüringentag der nationalen Jugend" am 29. Mai 2004 in Saalfeld trat Schwerdt als Redner auf und verbreitete, eine angeblich "geplante Zuwanderung" von AusländerInnen würde "zu Lohndrückerei gegenüber den deutschen Arbeitnehmern führen". [35]

Am 5. Juni 2004 veranstaltete die NPD unter dem Motto "Gegen linke Medienhetze, für eine gleichberechtigte nationale Jugendkultur" in Schleusingen eine Demonstration, an der sich ca. 110 Personen beteiligten. Als Redner traten unter anderem Frank Schwerdt, Kurt Hoppe und Michael Burkert auf. [36] Weiterhin sprach Schwerdt am 3. Juli 2004 in Gotha auf einer Demonstration unter dem Motto "Nein zur Agenda 2010! Ja zu sozialer Gerechtigkeit! - Unsere Agenda heißt Widerstand!" vor etwa 150 RechtsextremistInnen . Eine Woche später, am 10. Juli, war er wiederum Redner auf einem von der NPD initiierten "Friedensfest" in Gera, wobei er wie auch der zweite Redner Ralf Ollert, Vorsitzende des bayerischen Landeverbandes der NPD, im Sinne des Veranstaltungsmottos gegen die Vereinigten Staaten agitierte und die Globalisierung der Weltwirtschaft anprangerte. [37]
Auf dem Landesparteitag der NPD im September 2004 wurde Schwerdt als Landesvorsitzender [38] und bei dem 30. ordentlichen Bundesparteitag unter dem Motto "Arbeit-Familie-Vaterland" am 30./31. Oktober in Leinefelde als Bundesvorstand der NPD bestätigt. Mit dem Neonazi Thorsten Heise aus Fretterode/Thüringen wurde ein zweites Thüringer Parteimitglied als Beisitzer in den Vorstand aufgenommen, der sich aus 19 Personen zusammensetzt. [39] Schwerdt war zudem, wie auch in den Vorjahren, Redner auf einer Veranstaltung von RechtsextremistInnen am sogenannten Volkstrauertag, diesmal am 14. November 2004. [40]
Nach den brutalen Übergriffen von NPD-Parteifunktionären auf linke GegendemonstrantInnen im schleswig-holsteinischen Steinburg verteidigte er diese in der Berliner Zeitung vom 8. Januar 2005: „Wenn die Polizei eine politische Versammlung nicht vor Gewalttätern wirkungsvoll schützt, dann muss das ungehinderte Versammlungsrecht eben mit eigenen Kräften gesichert werden". [41] Im Februar 2005 verklagte Schwerdt den Bürgermeister von Verden an der Aller, Lutz Brockmann, beim Verwaltungsgericht in Stade und verlangte, dass der Bedienstete der Stadtverwaltung nicht für den Aktionstag gegen Rechtsextremismus am 2. April tätig werden solle, dass dafür keine Einrichtungen der Stadt benutzt werden dürfen und der Aufruf für den Aktionstag nicht länger auf der Homepage von Verden veröffentlicht wird. [42] Der Aktionstag richtete sich insbesondere gegen den Heisenhof, das neue Domizil von Jürgen Rieger und mehreren Neonazis, und eine von Adolf Dammann, Vize-Chef der NPD in Niedersachsen, aus Buxtehude angemeldete Solidaritätskundgebung mit Rieger.

Anmelder des Landser-Abschiedskonzertes
Zum Eintritt des im März 2005 wegen Volksverhetzung verurteilten Sängers der Band Landser, Michael "Lunikoff" Regener, in die NPD äußerte sich der Bundesgeschäftsführer Schwerdt: „Das ist - denke ich mir - auch ein Fortschritt im Kampf um Köpfe und durch den Eintritt von Michael Regener können wir also und haben wir die Chance, dass wir die Szene einmal politisieren mehr, dass sie also aus der Musik heraus sich zur ernsthaften politischen Arbeit bewegen und die an die NPD ranführen, das ist also der Sinn der Übung." und „Die NPD wird die nicht bewerten, die Aussagen von Herrn Regener. Weil also, was Herr Regener betreibt, im Prinzip ist das ist eben auch Kunst, nich?" [43]
Gelegenheit diese zu erleben, hatte er am 2. April 2005 als der Landser-Sänger vor circa 1.300 - 1.500 Neonazis in Pößneck sein Abschiedskonzert vor dem Haftantritt gab. Die von der Stadt verbotene Veranstaltung konnte durchgeführt werden, da die Thüringer Polizei nur 200 - 300 BeamtInnen nach Pößneck beorderte, die das Verbot nicht durchsetzen konnten und hilflos zusahen, als die KonzertbesucherInnen anfingen, zu randalieren. Dabei war das Konzert dem Verfassungsschutz tagelang vorher bekannt - als Veranstaltungsleiter trat nach dessen Angaben Frank Schwerdt auf. [44]
Auch im Jahr 2006 nahm Schwerdt an vielen Veranstaltungen teil. Beispielsweise trat er zusammen mit Holger Apfel und Thomas Wienroth als Redner bei der Neugründung des Thüringer Landesverbandes der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) am 14. Januar in Ammelstädt auf, wie auch beim "Thüringentag der nationalen Jugend" am 20. Mai in Altenburg. Zudem war Schwerdt bei der Ersatzveranstaltung zum verbotenen "Fest der Völker" am 10. Juni in Oberhof anwesend. Hier sprachen vor rund 200 Neonazis neben Schwerdt auch der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt und der Schwerdt-Vertraute Kurt Hoppe, Vorsitzender des Thüringer Landesverbands der rechtsextremen "Deutschen Partei".
Im Zusammenhang mit den verhinderten Kofferbomben-Anschlägen im Sommer 2006 wurde die Zusammenarbeit der NPD mit der antisemitischen islamistischen Organisation "Hisb ut-Tahrir" offenbar. Dabei geriet auch Schwerdt in den Blickpunkt, da er am 16. Februar 2003 bei einer Veranstaltung der JN in Duisburg unter dem Motto "Kein Blut für Öl - Nein zum Krieg" aufgetreten war - bei jener Veranstaltung stand auch die Führungsfigur von "Hisb ut-Tahrir" Shaker Assem auf der Rednerliste. [45]
Gegenüber der ARD-Sendung "Kontraste" nahm Schwerdt zu den politischen Zielen der NPD Stellung: „Wir bevorzugen eher das sozialistische Modell, dass soziale Modell in diesem Land, allerdings einen Sozialismus, der sich hier auf dieses Land bezieht, auf die Nation. Deswegen sagen wir 'Nationaler Sozialismus'." Auf die Nachfrage: „Ist das Nationalsozialismus?" antwortete er: „Man kann das so bezeichnen.". [46]



Quellen:

 

[1] Informationsdienst gegen Rechtsextremismus (IDGR) Schwerdt, Frank. In: http://lexikon.idgr.de/s/s_c/schwerdt-frank/schwerdt-frank.php .
[2] Frank Schneider: NPD wie Phönix aus der Asche. Der Neonazi-Verein Die Nationalen läuft zur NPD über. In:
http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/50/12c.htm .
[3] Informationsdienst gegen Rechtsextremismus (IDGR): Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige (HNG). In: http://lexikon.idgr.de/h/h_n/hng/hng.php .
[4] Korinna Klasen: Opa Lange und der Bunker. Jungle World vom 15. April 1998. In:
http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_98/16/12c.htm .
[5] Frank Schneider: NPD wie Phönix aus der Asche. Der Neonazi-Verein Die Nationalen läuft zur NPD über. In:
http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/50/12c.htm ; Antifa Jugend Westhavelland: Rechtsextreme Aktivitäten im Westhavelland.
http://www.inforiot.de/westhavelland2001/aak1998.pdf .
[6] Ulla Jelpke: Fakten und Argumente zum NPD-Verbot. Die Fortsetzung der Materialsammlung vom Büro Ulla Jelpke. Teil 4. NPD/JN-Funktionäre und -mitglieder aus verbotenen Nazi-Organisationen. In:
http://www.klick-nach-rechts.de/gegen-rechts/2001/02/npd04.htm .
[7] ebd.
[8] Korinna Klasen: Opa Lange und der Bunker. Jungle World vom 15. April 1998. In:
http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_98/16/12c.htm .
[9] Antifa Jugend Westhavelland: Rechtsextreme Aktivitäten im Westhavelland. In:
http://www.inforiot.de/westhavelland2001/aak1998.pdf
[10] Frank Schneider: NPD wie Phönix aus der Asche. Der Neonazi-Verein Die Nationalen läuft zur NPD über. In:
http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/50/12c.htm .
[11] Korinna Klasen: Brauner Talentsucher hinter Gittern. Jungle World vom 25. November 1998. In:
http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_98/48/12c.htm ; Ulla Jelpke: Fakten und Argumente zum NPD-Verbot. Die Fortsetzung der Materialsammlung vom Büro Ulla Jelpke. Teil 4. NPD/JN-Funktionäre und -mitglieder aus verbotenen Nazi-Organisationen. In:
http://www.klick-nach-rechts.de/gegen-rechts/2001/02/npd04.htm .
[12] Siehe letzte Fußnote.
[13] Manuel Jacob: Doitsche Offensive. 1. Mannheimer Skinhead Zine. 10. Ausgabe, Mannheim 1997 oder 1998, S. 7.
[14] Korinna Klasen: Brauner Talentsucher hinter Gittern. Jungle World vom 25. November 1998. In:
http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_98/48/12c.htm .
[15] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht des Freistaates Thüringen - 1999. Rechtsextremismus. In: http://www.verfassungsschutz-thueringen.de/vsberichte/1999/rechts.htm .
[16] ebd.
[17] Informationsdienst gegen Rechtsextremismus (IDGR) Schwerdt, Frank. In: http://lexikon.idgr.de/s/s_c/schwerdt-frank/schwerdt-frank.php .
[18] Florian Rötzer: NPD will gegen Kündigung des Providers klagen. Telepolis (Heise) vom 07. 09. 2000. In:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/8/8677/1.html .
[19] Informationsdienst gegen Rechtsextremismus (IDGR): Schwerdt, Frank. In: http://lexikon.idgr.de/s/s_c/schwerdt-frank/schwerdt-frank.php .
[20] Informationsdienst gegen Rechtsextremismus (IDGR) Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige (HNG). In: http://lexikon.idgr.de/h/h_n/hng/hng.php .
[21] blick nach rechts Heft 12, 2001: http://www.bnr.de/archiv/jahrgang2001/ausgabe-12-2001/meldungen-9/ ; Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht des Freistaates Thüringen - 2001. Rechtsextremismus. In: http://www.verfassungsschutz-thueringen.de/vsberichte/2001/rechtsextremismus.htm .
[22] ebd.
[23] NPD-Zeitung Deutsche Stimme: Landesvorsitzender Schwerdt weiterhin für Zusammenarbeit mit "freien" Kräften. In: http://www.deutsche-stimme.de/Sites/10-01-Korrespondenz-mitte.html .
[24] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht des Freistaates Thüringen - 2001. Rechtsextremismus. In: http://www.verfassungsschutz-thueringen.de/vsberichte/2001/rechtsextremismus.htm .
[25] Jan Simon: Platzverweise ausgesprochen. MAZ vom 29. 07. 2004. In:
http://region-uckermark-barnim.dgb.de/article/articleview/2268/1/190/ .
[26] Heike Kleffner: Rechtsextreme outen Pfeffer und Salz. taz vom 18. 01. 2002. In:
http://www.taz.de/pt/2002/01/18/a0230.nf/text .
[27] Politikforum: Schill soll aus der PRO ausgeschlossen werden! In:
http://www.politikforum.de/forum/showthread.php?threadid=43320 .
[28] Informationsdienst gegen Rechtsextremismus (IDGR): Schwerdt, Frank. In: http://lexikon.idgr.de/s/s_c/schwerdt-frank/schwerdt-frank.php .
[29] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht des Freistaates Thüringen - 2002. Rechtsextremismus. In: http://www.verfassungsschutz-thueringen.de/vsberichte/2002/rechtsextremismus.htm .
[30] ebd.
[31] adf berlin: Nochmal: Nazis am 1.5. in Berlin. In: http://www.adf-berlin.de/html_docs/schwerpunkte
/rechte_aktivitaeten/berlin_1_5_03.html .
[32] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht des Freistaates Thüringen - 2003. Rechtsextremismus. In: http://www.verfassungsschutz-thueringen.de/vsberichte/2003/rechtsextremismus.htm .
[33] ebd.
[34] Informationsdienst gegen Rechts: Streitbarer Kameradenführer. IDGR - 8. Februar 2004. In: http://www.idgr.de/news/2004/n040208-b.php .
[35] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht Freistaat Thüringen 2004, S. 89.
[36] ebd., S. 90.
[37] ebd.
[38] blick nach rechts Heft 9, 2004 In: http://www.bnr.de/archiv/meldungsarchiv
/meldungen904/npdlandesvorsitzenderimamtbestaetigt/ .
[39] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht Freistaat Thüringen 2004, S. 43.
[40] ebd., S. 92.
[41] http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de
/artikel.php?id=10&kat=10&artikelid=1394 im Februar 2005 (nicht mehr online).
[42] http://www.kueste.vvn-bda.de/nachrnds.htm (nicht mehr online).
[43] Jo Goll und Norbert Siegmund: Judenhass und Mordaufruf - NPD auf Stimmenfang in Schleswig-Holstein. Sendung des RBB vom 10. Februar 2005. In:
http://www.rbb-online.de/_/kontraste/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_2026624.html .
[44] Thüringer Innenministerium: Verfassungsschutzbericht des Freistaates Thüringen - 2005. Rechtsextremismus. In: http://www.verfassungsschutz-thueringen.de/vsberichte/2005/rechtsextremismus.htm .
[45] tagesschau.de: Wie weit gehen die Verbindungen? Kontakte zwischen NOPD und Islamistengruppe. In: http://www.swr.de/nachrichten/-/id=396/nid=396/did=1496516/1ew797z/ .
[46] Jo Goll und Norbert Siegmund: Judenhass und Mordaufruf - NPD auf Stimmenfang in Schleswig-Holstein. Sendung des RBB vom 10. Februar 2005. In:
http://www.rbb-online.de/_/kontraste/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_2026624.html .

 
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